ELEMENTARRELAIS und funktionale Sicherheit


Wie und wann ist sicher sicher? Der Zeitpunkt des Eintritts eines FEHLZUSTANDES ist nicht bekannt, er kann jederzeit erfolgen. Probabilismus versus Determinismus oder eine Symbiose?

EINLEITUNG
Es ist sinnvoll zu unterscheiden, ob ein eingetretener FEHLZUSTAND bei einem SICHERHEITSBAUTEIL sicherheitsrelevant ist oder nicht. Differenzierende Begriffe hierfür sind in den einschlägigen Normen, wie z. B. ISO/EN 13849-1 leider nicht festgelegt. Hier wird deshalb neben dem normativen Begriff GEBRAUCHSDAUER, ergänzend der Begriff BRAUCHBARKEITSDAUER verwendet.
Damit wird begriffl ich unterscheidbar ob ein FEHLZUSTAND gefahrbringend ist (Ende der GEBRAUCHSDAUER), oder „nur“ zu einem allgemeinen Funktionsverlust führt, der in seiner Auswirkung nicht gefahrbringend ist (Ende der BRAUCHBARKEITSDAUER).
Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt des Eintritts eines FEHLZUSTANDES nicht bekannt ist. Dies stellt an die Schaltungstechnik besondere Anforderungen, wie an deren Struktur, Beachtung von SICHERHEITSPRINZIPIEN, usw.
Entscheidend ist das Erkennen und Bewerten von FEHLZUSTÄNDEN (AUSFALLERKENNUNG, DIAGNOSE, DIAGNOSEDECKUNGSGRAD). Ist im Ergebnis bei den möglichen gefahrbringenden FEHLZUSTÄNDEN eines SICHERHEITSBAUTEILS ein DETERMINISTISCHES Verhalten gegeben, hat der Zeitpunkt des Eintritts sicherheitstechnisch keine Bedeutung.

AUFGABENSTELLUNG
Es gilt eine Lösung zu fi nden, die im FEHLZUSTAND sich deterministisch verhält. Selbst wenn dies nur in Teilbereichen zu leisten ist, wie z. B. für die AUSGABEEINHEIT eines SICHERHEITSBAUTEILS, so lohnt es sich immer dies zu nutzen. Die dann noch PROBABILISTISCH zu bewertenden Anteile werden reduziert. Das Gesamtergebnis wird sicherheitstechnisch optimiert.

LÖSUNGSKONZEPT
Die gestellten Anforderungen können durch Verwendung von ELEMENTARRELAIS, die DIN EN 50205
(Typ A, Elementarrelais mit ZWANGSGEFÜHRTEM KONTAKTSATZ) entsprechen, hervorragend abgedeckt werden.
Für die ZUSTANDSERKENNUNG eines KONTAKTSATZES genügt für eine beliebige Anzahl Schließer ein
einziger Öffner. Stünden nur Schließer zur Verfügung, müsste jeder Schließer mit zusätzlichem Aufwand individuell überwacht werden. Dies verursacht nicht nur zusätzlichen Aufwand und dadurch Kosten, sondern ist auch eine potenzielle Quelle für sicherheitskritische FEHLZUSTÄNDE und damit für das Ende der GEBRAUCHSDAUER.
Die Skizzen zeigen einen Lösungsansatz für EIN- und ZWEIKANALIGE SICHERHEITSBAUTEILE. Der Ausgabekanal ist DIVERSITÄR REDUNDANT ausgeführt, als Voraussetzung für eine AUSFALLERKENNUNG (DIAGNOSE) und als Abdeckung der geforderten Maßnahme gegen AUSFÄLLE INFOLGE GEMEINSAMER URSACHE (CCF).
Dies ist dadurch ermöglicht, dass die in Reihe geschalteten Schließer im Ausgabekanal bei der Aktivierung
jeweils nicht gleichzeitig, sondern nacheinander geschlossen werden. Damit wird eine DIVERSITÄRE Beanspruchung der Schließer erreicht. Stellt sich bei dem nachfolgend schließenden Schließer (der die Last anschaltet) ÖFFNUNGSVERSAGEN ein, übernimmt der zuerst („trocken“) geschlossene Schließer die Abschaltung. Die erwartete ENERGIETRENNUNG wird hergestellt.
Über die mit den Schließern zwangsgeführten Öffner ist die ZUSTANDSERKENNUNG der Schließer gegeben. Differente Zustände der Kontaktsätze ermöglichen mittels KREUZVERGLEICH eine AUSFALLERKENNUNG (DIAGNOSE). Durch ZYKLISCHE TESTUNG ist eine erneute Durchschaltung des nicht ausgefallenen Ausgabekanals verhindert. Die SICHERHEITSFUNKTION ist gegeben unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem der FEHLZUSTAND eingetreten ist. Der erreichbare DIAGNOSEDECKUNGSGRAD
ist maximal.
Eine GEBRAUCHSDAUER von z. B. 20 Jahren ist gegeben, denn die ENERGIETRENNUNG bleibt erhalten.
Es ist „nur“ die BRAUCHBARKEITSDAUER am Ende. Für die Beurteilung des gesamten SICHERHEITSBAUTEILS müssen noch die weiteren Funktionsbereiche, wie Eingabeeinheit und Logik be

1)
ISO/EN 13849-1: Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen
Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze

2) EN 50205: Relais mit (mechanisch) zwangsgeführten Kontakten zukünftig IEC/EN 61810-3
wertet werden, dies dann vorzugsweise PROBABILISTISCH.

Schlussfolgerung
  • Die BRAUCHBARKEITSDAUER der AUSGABEEINHEIT
    - ist unabhängig von einer Kategorie, einem PLx und SILCLx,
    - ist typisch abhängig vom Verschleiß durch die elektrischen Beanspruchung des Kontaktsystems,
    - lässt sich über Kennwerte zur Zuverlässigkeit (unter Beachtung der realen Beanspruchung) probabilistisch ermitteln und bietet damit eine Basis für die Festlegung von Wartungsintervallen,

    Anmerkung: Die für eine probabilistische Bewertung notwendigen Daten (Parameter zur Zuverlässigkeit) für die „Berechnung“ (qualifizierte Abschätzung) sind in der Regel über den Relaishersteller zu beschaffen. Es kommen aber auch veraltete Bewertungsverfahren zur Anwendung, deren Ergebnisse nicht die heutigen Anforderungen abdecken (können). Sie basieren nicht auf dem heutigen Stand der Technik, Normung, Konstruktionen, Werkstoffe, usw.
    Gerne wendet man hier die Werksnorm SN 29500 7 (Ausfallraten Bauelemente Teil 7: Erwartungswerte für Relais) an. Die Datenbasis ist weitgehend anonym und soweit diese bekannt ist, technologisch obsolet. Dies gilt dann folglich auch für die daraus abgeleiteten Bewertungen.

    - mögliche Wartungsintervalle liegen zeitlich innerhalb der GEBRAUCHSDAUER.

  • Die GEBRAUCHSDAUER der AUSGABEEINHEIT ist durch das DETERMINISTISCHE Verhalten bei FEHLZUSTÄNDEN gesichert, eine PROBABILISTISCHE Bewertung entfällt:
    - für die AUSGABEEINHEIT ist ein PLe bzw. SIL3 einfach erreichbar,
    - bei einem DETERMINISTISCHEN Verhalten im FEHLZUSTAND kann einfach, übersichtlich und auch wirtschaftlich ein optimales Ergebnis erreicht werden.
    - die PROBABILISTISCHE Bewertung beschränkt sich auf den nicht DETERMINISTISCH gestalteten Anteil der Lösung.

  • Nicht gelebte Symbiose von PROBABILISTISCHEM und DETERMINISTISCHEM Lösungsansatz behindert optimierte Lösungen.

  • Die Nutzung der Stärken beider Ansätze ist unter Priorisierung DETERMINISTISCHER Lösungsanteile erreichbar. Es wird oft nicht bedacht, dass purer PROBABILISMUS konsequent nicht möglich ist. Der PROBABILISTISCHE Ansatz verwendet pauschalierte Annahmen und (unausgesprochen) DETERMINISTISCHE Aspekte.

Als Ergänzung sei noch angemerkt, dass eine auf Kontaktschutz ausgelegte Schmelzsicherung im AUSGABEKANAL die funktionale Sicherheit erhöht (BEWÄHRTES SICHERHEITSPRINZIP).




3)
Gerne wendet man hier die Werksnorm SN 29500‑7 (Ausfallraten Bauelemente Teil 7: Erwartungswerte für Relais) an.
Die Datenbasis ist weitgehend anonym und soweit diese bekannt ist, technologisch obsolet. Dies gilt dann folglich auch für die daraus abgeleiteten Bewertungen.



Anhang A - Begriffe:

AUSFALL
Ein Ausfall ist ein bewerteter Fehlzustand.
ANMERKUNG: Für die Gebrauchsdauer sind die gefahrbringenden Ausfälle maßgebend, für die Brauchbarkeitsdauer sind es zusätzlich auch die nicht gefahrbringenden Ausfälle.

AUSFALL INFOLGE GEMEINSAMER URSACHE (CCF)
FEHLZUSTÄNDE verschiedener Einheiten aufgrund eines einzelnen Ereignisses, wobei diese FEHLZUSTÄNDE nicht auf gegenseitiger Ursache beruhen [IEC 60050(191-04-23)].
ANMERKUNG: Ausfälle infolge gemeinsamer Ursache sollten nicht verwechselt werden mit gleichartigen Ausfällen [ISO 12100-1:2003, Abschn. 3.34].

AUSFALLERKENNUNG
Fähigkeit AUSFÄLLE zu erkennen (DIAGNOSE), als Voraussetzung auf FEHLZUSTÄNDE eindeutig reagieren zu können.
AUSFALLERKENNUNG kann aus ZUSTANDSERKENNUNGEN abgeleitet werden. Die Bewertung unterscheidet zwischen erwarteten und nicht erwarteten Zuständen. Die nicht erwarteten Zustände (FEHLZUSTÄNDE) sind entscheidend.
ANMERKUNG: Für die Gebrauchsdauer sind die gefahrbringenden Ausfälle maßgebend, für die Brauchbarkeitsdauer sind es zusätzlich auch die nicht gefahrbringenden Ausfälle.

DIAGNOSE, DIAGNOSEDECKUNGSGRAD (DC)
Bruchteil der Wahrscheinlichkeit von erkannten gefahrbringenden Ausfällen λdd zur Wahrscheinlichkeit aller Gefahr bringender FEHLZUSTÄNDE λd

Siehe hierzu auch ISO/EN 13849-1,
Abschn. 4.5.3.

DIVERSITÄT
In der Natur: Artenreichtum, Mannigfaltigkeit
In der Technik: Gleiche Funktionalität auf verschiedene Art verwirklicht.

Ungleichartige Mittel zur Ausführung einer Funktion [IEC/EN 61508-4, Abschn. 3.3.9].

DETERMINISTIK
Verhalten von Systemen, Teilsystemen / SICHERHEITSBAUTEILEN (z. B. SICHERHEITSSCHALTGERÄTE) die, wenn sie in einen FEHLZUSTAND übergehen, in ihrer Steuerungsfunktion einen eindeutigen Zustand bewirken. In der Sicherheitstechnik ist dies stets der mögliche Gefahren verhindernde Zustand.
Diese Zustände müssen eindeutig, vorhersehbar und bestimmbar sein.

ENERGIETRENNUNG
Ein sicherer Zustand wird erreicht, indem alle wichtigen Einrichtungen von der Energiequelle abgetrennt werden, bzw. sind.
Grundlegendes Sicherheitsprinzip nach  ISO/EN 13849-2, Tabelle D.1.
Die Anwendung derartiger Prinzipien ist obligatorisch [ISO/EN 13849-2, Abschn. 7.2.].

BRAUCHBARKEITSDAUER
Zeitspanne bis zum ersten (nicht Gefahr bringenden) FEHLZUSTAND unter Beibehaltung der SICHERHEITSFUNKTION, nutzbare Lebensdauer.
Intervall der Anwendungsdauer bis zum ersten FEHLZUSTAND.
[DIN 40041:1990-12, Abschn. 3.1.13 mod.].
Dauer, bis ein bestimmter Prozentsatz der Einheiten ausgefallen ist
[IEC/EN 61810-2, Abschn. 3.12 mod.].

ELEMENTARRELAIS
Schaltrelais, das ohne beabsichtigte zeitliche Verzögerung anspricht und rückfällt [IEC/EN 61810-1, Abschn. 3.2.3].

FEHLERAUSSCHLUSS
Ausschluss eines theoretisch möglichen FEHLZUSTANDES, mit dessen Auftreten aufgrund spezieller Maßnahmen nicht gerechnet werden muss [EN 13243:2005-06].

FEHLERERKENNUNG
Durch geeignete Schaltungstechnik erreichte definierte (eindeutig vorhersehbare) Wirkung eines eingetretenen FEHLZUSTANDES. Notwendige Maßnahmen sind damit eindeutig ableitbar.

FEHLZUSTAND
FEHLZUSTAND ist die unerwünschte Abweichung zwischen dem Soll-Zustand und einem Ist-Zustand, zwischen einem erwarteten und einem nicht erwarteten Zustand.
ANMERKUNG 1: FEHLZUSTÄNDE folgen einer Ursache.
ANMERKUNG 2: Ein FEHLZUSTAND des ELEMENTARRELAIS kann in der Anwendung zu einer Fehlschaltung führen. Diese Fehlschaltung wiederrum zu einem AUSFALL.

FREIGABEPFAD
Ausgangs-Kontaktkreis eines SICHERHEITSSCHALTGERÄTES (SICHERHEITSBAUTEIL), dessen Schließen nur nach getesteter und festgestellter bestimmungsgemäßer Funktion des Gerätes erfolgt.

GEBRAUCHSDAUER
Zeitraum, der die vorgesehene Verwendung der SRP/CS (SRP/CS ist das sicherheitsbezogene Teil einer Steuerung, z. B. ein SICHERHEITSBAUTEIL) abdeckt
[ISO/EN 13849-1, Abschn. 3.1.28].
ANMERKUNG 1: Das Ende der GEBRAUCHSDAUER ist mit dem Verlust der Sicherheitsfunktion definiert.
ANMERKUNG 2: Ein Verfügbarkeitsverlust der SRP/CS bei funktionierender Sicherheitsfunktion (z. B. die Abschaltung ist erfolgt, eine Wiedereinschaltung ist verhindert) stellt das Ende der Brauchbarkeit dar (Ende der Brauchbarkeitsdauer). Es ist nicht das Ende der Gebrauchsdauer, denn die Sicherheitsfunktion ist durch die Wirkung der implementierten zyklischen Testung weiterhin gegeben.

GRUNDBAUTEIL
Der Begriff Bauelement ist mehrfach besetzt. Um Eindeutigkeit zu bekommen, auch bei Übersetzungen in andere Sprachen, wurde der Begriff Grundbauteil geprägt. Grundbauteile sind z. B. Widerstände, Kondensatoren und auch ELEMENTARRELAIS.

KANAL
Element oder Gruppe von Elementen, die eine Funktion unabhängig ausführen.
Beispiel: Eine zweikanalige Konfiguration (oder doppelter KANAL) ist eine Konfiguration mit zwei Kanälen, die die gleiche Funktion unabhängig voneinander ausführen.
ANMERKUNG: Die Elemente innerhalb eines KANALS können Eingabe-/Ausgabebaugruppen, ein Logiksystem, Sensoren und Aktoren beinhalten
[IEC/EN 61508-4, Abschn. 3.3.8].

KREUZVERGLEICH
Vergleich der Zustände (ZUSTANDSERKENNUNG) bei mehrkanaligen Anordnungen zur Erkennung von AUSFÄLLEN (AUSFALLERKENNUNG, DIAGNOSE).

ÖFFNUNGSVERSAGEN
FEHLZUSTAND, bei dem entgegen der Erwartung ein geschlossener Kontakt nicht öffnet.
Dies ist bei Öffnern wie bei Schließern möglich.
ANMERKUNG: Im Zusammenhang mit dem grundlegenden Sicherheitsprinzip der ENERGIETRENNUNG ist der FEHLZUSTAND ÖFFNUNGSVERSAGEN typisch ein gefahrbringender FEHLZUSTAND.

PERFORMANCE LEVEL
Fähigkeit von sicherheitsbezogenen Teilen, eine SICHERHEITSFUNKTION unter vorhersehbaren Bedingungen auszuführen, um die erwartete Risikominderung zu erfüllen [ISO/EN 13849-1].
Es gibt für den PL die fünf Stufen a bis e. Sie ersetzen die bisherigen Kategorien B, 1 bis 4 nach EN 954-1 mit zusätzlichen Anforderungen.

PROBABILISTIK
Betrachtung die auf Wahrscheinlichkeiten basiert.
PROBABILISMUS ist die Auffassung, dass es keine absoluten Wahrheiten, sondern nur Wahrscheinlichkeiten gibt.
Die Berechnung einer Ausfallwahrscheinlichkeit liefert als Ergebnis eine Eintrittswahrscheinlichkeit, aber keinen Aufschluss über den Zeitpunkt des Eintritts.

PROOF-TEST
Wiederkehrende Prüfung, zur Aufdeckung von FEHLZUSTÄNDEN in einem sicherheitsbezogenen System, so dass nötigenfalls das System in einen „Wie-Neu“-Zustand gebracht, oder so nah wie unter praktischen Gesichtspunkten möglich, an diesen Zustand herangebracht werden kann [IEC/EN 61508-4, Abschn. 3.8.5].

REDUNDANZ
In der Technik: Ein für die normale Funktion eines Systems nicht direkt nötiger Mehraufwand. Beispielsweise die Parallelschaltung mindestens zweier KANÄLE, um bei Ausfall eines KANALS, trotzdem die Funktion zu erhalten [IEC 60050(191-15-01)].
In der Normung: Anwendung von mehr als einem System oder Teil eines Gerätes oder Systems (Teilsystem), um sicherzustellen, dass bei Fehlverhalten ein anderes verfügbar ist, diese Funktion auszuführen [IEC/EN 60204-1; Sicherheit von Maschinen, Elektrische Ausrüstung von Maschinen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen].
In der Automation ist REDUNDANZ (ZWEIKANALIGKEIT) sehr üblich. Die Erkennung unerwünschter Zustände (AUSFALLERKENNUNG, DIAGNOSE) ist durch einen Kreuzvergleich ermöglicht.

REDUNDANZ, HOMOGEN
REDUNDANZ, bei der die Mittel gleichartig sind.
Im täglichen Leben wäre das gleichzeitige Tragen von zwei Gürteln oder von zwei Hosenträgern ein homogen-redundantes System, um eine Hose in der gewünschten Position zu halten, auch wenn eine der beiden Haltevorrichtungen ausfällt.

REDUNDANZ, DIVERSITÄR
REDUNDANZ, bei der die Mittel ungleichartig sind.
Im täglichen Leben wäre das gleichzeitige Tragen von einem Gürtel und einem Hosenträger ein diversitär-redundantes System, um eine Hose in der gewünschten Position zu halten, auch wenn eines der beiden Haltevorrichtungen ausfällt. Gürtel und Hosenträger sind ungleichartige Mittel.

SCHLIEßVERSAGEN
FEHLZUSTAND, bei dem entgegen der Erwartung keine Kontaktgabe erfolgt.
Dies ist bei Öffnern wie bei Schließern möglich.
ANMERKUNG: Im Zusammenhang mit dem grundlegenden Sicherheitsprinzip der ENERGIETRENNUNG ist SCHLIEßVERSAGEN typisch kein gefahrbringender Ausfall.

SICHERHEITSBAUTEIL, SICHERHEITSSCHALTGERÄT
Gemäß der Maschinenrichtlinie ein Produkt, dessen Zweckbestimmung die Erfüllung einer gesamten SICHERHEITSFUNKTION ist oder zumindest Teile davon beinhaltet.
Es erfüllt eigenständig eine sicherheitsgerichtete Funktion und muss als Teil einer Sicherheitskette dienen.

SICHERHEITSFUNKTION
Es ist eine zur normalen Betriebsfunktion einer Maschine zusätzliche Funktion, die bei Auftreten von FEHLZUSTÄNDEN oder kritischen Betriebszuständen die Sicherheit der Maschine erhält oder herstellt. Ein FEHLZUSTAND in dieser Funktion würde das Sicherheitsrisiko der Maschine erhöhen.

SICHERHEITS-INTEGRITÄTSLEVEL (SIL, SILCL)
Sicherheitsniveau welches sich an der berechneten Restfehlerwahrscheinlichkeit orientiert.
Es werden die Stufen SIL 1 bis 3 (4) bzw. SILCL 1 bis 3 (4) unterschieden. [IEC/EN 61508-1]

SICHERHEITSPRINZIPIEN
ISO/EN 13849-2 nennt eine Anzahl von SICHERHEITSPRINZIPIEN und unterscheidet grundlegende (Tab. D.1) und bewährte (Tab. D.2) SICHERHEITSPRINZIPIEN.
Grundlegende SICHERHEITSPRINZIPIEN sind z. B. ENERGIETRENNUNG, aufeinander folgendes Schalten von Stromkreisen, u.w.
Bewährte SICHERHEITSPRINZIPIEN sind z. B. ZWANGSGEFÜHRTE KONTAKTE, Strombegrenzung (Sicherung), u.w.

TESTUNG
Vorgang bei dem geprüft wird, ob eine bestimmte Funktion zum Zeitpunkt des Testvorganges noch gegeben ist. Wird dieser Vorgang vor jeder Aktivierung (vor jedem neuen Zyklus) wiederholt, spricht man auch von einer ZYKLISCHEN TESTUNG.

ZUSTANDSERKENNUNG
ELEMENTARRELAIS mit (mechanisch) zwangsgeführten Kontakten nach EN 50205 (zukünftig IEC/EN 61810-3, inhaltsgleich, redaktionell aktualisiert) ermöglichen eine ZUSTANDSERKENNUNG, über den jeweils antivalenten ZWANGSGEFÜHRTEN KONTAKT. Es wird z. B. bei einem nicht geschlossenen Öffner unterstellt, dass der zugeordnete Schließer nicht geöffnet ist (ÖFFNUNGSVERSAGEN).

Dies gilt analog auch für Ventile (pneumatisch, hydraulisch), Schalter, Schütze, Taster, ...

ZWANGSFÜHRUNG VON KONTAKTEN
Es gelten die in EN 50205 (zukünftig IEC/EN 61810-3, inhaltsgleich, redaktionell aktualisiert) getroffenen Festlegungen zusätzlich zu den in IEC/EN 61810-1 gestellten Anforderungen.

zwangsführung von kontakten Ein zwangsgeführter Kontakt besteht aus mindestens 1 Öffner und 1 Schließer.
Fällt ein Kontakt durch ÖFFNUNGSVERSAGEN aus, darf der antivalente Kontakt keinesfalls schließen und er muss stets einen Kontaktabstand von ≥ 0,5 mm aufweisen.

ANMERKUNG: Bei einem Kontaktabstand von ≤ 0,5 mm wird dieser als geschlossen angesehen.
In einem zwangsgeführten Kontaktsatz sind alle Kontakte miteinander zwangsgeführt [EN 50205, Abschn. 3.4].

ZYKLISCHE TESTUNG
Vorgang bei dem vor jeder Aktivierung (vor jedem neuen Zyklus) geprüft wird, ob eine bestimmte Funktion zum Zeitpunkt des Testvorganges noch gegeben ist.

ZWEIKANALIGKEIT
Eine aus zwei KANÄLEN bestehende Anordnung (REDUNDANZ). Das Ergebnis wir als richtig gewertet, wenn beide Kanäle das gleiche Ergebnis ausgeben. Zur AUSFALLERKENNUNG (DIAGNOSE) werden die Zustände der KANÄLE miteinander verglichen (KREUZVERGLEICH).

Anhang B Normen:

DIN 40041
Zuverlässigkeit
Begriffe

EN 954-1
Ersetzt durch ISO/EN 13849-1

EN 954-2
Ersetzt durch ISO/EN 13849-2

EN 13243
Sicherheitsanforderungen für Seilbahnen für den Personenverkehr - Elektrische Einrichtungen, ohne Antriebe

EU 50178
Ausrüstung von Starkstromanlagen mit elektronischen Betriebsmitteln
ANMERKUNG: Teilweise ersetzt durch IEC/EN 62103.

EN 50205
Relais mit (mechanisch) zwangsgeführten Kontakten
Anmerkung: Wird in naher Zukunft ersetzt durch IEC/EN 61810-3.

IEC 60050
Internationales Elektrotechnisches Wörterbuch

IEC/EN 60204-1
Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen
Teil 1: Allgemeine Anforderungen

IEC/EN 60255-23
Ist durch IEC/EN 61810-2 ersetzt

IEC DIN EN 60947-5-1
Niederspannungsschaltgeräte
Teil 5-1: Steuergeräte und Schaltelemente - Elektromechanische Steuergeräte

IEC/EN 61508
Funktionale Sicherheit von elektrischen/elektronischen/programmierbar elektronische sicherheitsrelevanter Systeme

IEC/EN 61810-1
Elektromechanische Elementarrelais
Teil 1: Allgemeine Anforderungen

IEC/EN 61810-2
Elektromechanische Elementarrelais
Teil 2: Funktionsfähigkeit (Zuverlässigkeit)

IEC/EN 61810-3
Relais mit (mechanisch) zwangsgeführten Kontakten
ANMERKUNG: Ersetzt zukünftig EN 50205.

IEC/EN 61810-7
Elektromechanische Elementarrelais
Teil 7: Mess- und Prüfverfahren

IEC/EN 62061
Sicherheit von Maschinen – Funktionale Sicherheit von elektrischen, elektronischen und programmierbaren Steuerungen von Maschinen

IEC 62103
Ausrüstung von Starkstromanlagen mit elektronischen Betriebsmitteln
ANMERKUNG: Teilweiser Ersatz von EN 50178

ISO 12100-1
Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze - Risikobeurteilung und Risikominderung

ISO/EN 13849-1
Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen
Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze

ISO/EN 13849-2
Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen
Teil 2: Validierung




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In dieser Ausgabe:
Von Europa in die Welt!
Editorial:
In die Zukunft schalten und Weltmeistertitel halten
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Elementarrelais und funktionale Sicherheit
Die Zukunft des "Würfels"
Elektromobilität fordert modernste Schaltrelais
DC Power Relais Kurzschlusseffekt -> Levitation

©2014 Forum Innovation der
Deutschen Schaltrelais-Hersteller im ZVEI
Update 04/11/2014