Editorial:

Was lange währt…

Wie so oft in der Geschichte großer Erfindungen erheben auch beim Elektroauto mehrere Personen gleichzeitig den Anspruch der Erste gewesen zu sein. Ob sie weltweit nun wirklich die Ersten waren lässt sich nicht zweifelsfrei belegen, aber eine kleine deutsche Maschinenfabrik hatte mit ihrem „Flocken Elektrowagen“ noch vor der Wende ins 20. Jahrhundert die Nase ganz weit vorn. Nicht nur der 4-Takt der automobilen Entwicklung wurde damals maßgeblich von Deutschland aus bestimmt.

Die Idee für ein Fahrzeug auf Basis eines Elektroantriebs war noch nicht dem Umweltgedanken geschuldet sondern entsprach einfach den historischen Gegebenheiten des technischen Fortschritts. Die ersten Elektromotoren - so unausgereift sie technisch auch sein mochten – waren schon damals den Antrieben auf Basis fossiler Brennstoffe an Wirkungsgrad weit überlegen.

Trotzdem war der Niedergang des Elektroautos noch vor Beginn des 1. Weltkrieges besiegelt und der Aufschwung des Verbrennungsmotors zunächst unaufhaltsam.

Ein Jahrhundert lang hat Deutschland die technische Entwicklung des benzin- und dieselgetriebenen Automobils ganz erheblich mitbestimmt. Umso bitterer ist es für unsere Automobilentwickler, dass der Takt der Elektromobilität nicht in Europa und schon gar nicht in Deutschland geschlagen wird. Zu lange hatten die deutschen Autobauer nur ein mildes Lächeln für Toyota übrig, die heute mit 1,5 Million verkaufter Hybrid- und Elektroautos im Jahr uneinholbar davongeeilt sind. Darüber hinaus führt China der Welt gerade vor, wie mit großzügiger staatlicher Förderung und per Direktive der Absatz, aber damit auch die technologische Entwicklung der Elektrofahrzeuge, mit großen Schritten vorangetrieben wird.

Es geht eben um weit mehr als um einzelne Prestigeprojekte und kurzfristigen Absatz. Das Elektroauto fordert und fördert völlig neue Entwicklungen und Technologien. Auch viele deutsche Firmen arbeiten seit Jahren an den Lösungen für die Elektromobilität und der dafür notwendigen Infrastruktur. Die großen Stückzahlen, die auch die immensen Entwicklungskosten wieder einspielen würden, lassen hierzulande bislang leider auf sich warten.

Seit Kurzem bietet nun auch Deutschland Kaufanreize für Elektrofahrzeuge. Die Hoffnungen auf stark steigende Absatzzahlen sind groß, auch wenn das Bonussystem kontrovers diskutiert wird. Aber erschwingliche Preise für den Massenmarkt allein reichen nicht aus um mehr Menschen zum Kauf eines „Stromers“ zu animieren. Vor allem die benötigte Infrastruktur muss überproportional schnell wachsen.
Was lange währt… wird nur dann gut, wenn die vorhandenen Potentiale optimal ausgeschöpft werden. Die Voraussetzungen sind allemal vorhanden.


Andreas Grüber, Hongfa Europe GmbH



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Editorial:
Was lange währt...
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Update 04/11/2016