Glühdrahtprüfungen nach EN60335 (Edition4)


Der Einsatzbereich der EN60335-1 ist bezogen auf Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke. Ausgenommen sind Audio, Video, Bürogeräte, medizinische und industrielle Geräte. Die Norm bezieht sich zwar auf das komplette Gerät, vermehrt werden aber die darin eingesetzten Einzelkomponenten in die Glühdrahtprüfungen mit einbezogen. Da Relais in Hausgeräte - und Gebäudetechnik vielfältig eingesetzt werden, sind auch die Glühdrahtprüfungen der eingesetzten Relais- Kunstoffe erforderlich.

Grundsätzlich werden Relais nach der Norm EN61810-1 geprüft. Gemäss dieser Norm (§16) werden Hitze-und Feuerbeständigkeit durch Glühdrahtprüfung und Kugeldruckprüfung getestet oder durch Prüfbescheinigungen der Materialien nachgewiesen. Die Mindestanforderungen der Glühdrahttemperatur beträgt 650°C.
Höhere Werte (750°C; 850°C), wie sie in der EN60335-1 gefordert sind, müssen für den jeweiligen Einsatz angepasst werden oder der Relaishersteller weist die höhere Glühdrahttemperatur mit vorliegenden Prüfzertifikaten des Kunststoffherstellers nach.

Der Norm EN60335-1 (Edition4) entsprechend, werden elektrische Verbindungsstellen, die durch Isoliermaterialien fixiert sind, im Abstand von 3mm mit der geforderten Glühdrahttemperatur geprüft. Bei Relais sind die Kontaktanschlüsse entsprechend zu prüfen. (s. Bild 1: Prüfpunkte 1-3)

In der Norm wird zwischen unbeaufsichtigten Geräten und beaufsichtigten Geräten unterschieden.

Relais sind meist wesentlicher Bestandteil in unbeaufsichtigten Geräten wie Waschmaschinen, etc. und können Ströme >0,2A führen. Daher werden Relais auch unter diesen kritischen Bedingungen (höhere Glühdrahttemperaturen 750°C; 850°C) geprüft.
Für Verbindungen <0,2A sind geringere Anforderungen gestellt. Die Verbindungen zur Spule des Relais fallen z.B. darunter. Die Glühdrahttemperaturen sind entsprechend geringer (650°C).
(s. Bild1: Prüfpunkte 4-6)

Bei den Glühdrahtprüfungen sind als Bewertungskriterium die Flammdauer und die Selbstverlöschung entscheidend. Beim GWT-Test z.B., soll die Flamme nach max. 2 sek. verlöschen. Dazu sind besondere Kunststoffe nötig, die diese Werte einhalten können.



Die EN60335-1 weist 3 unterschiedliche Möglichkeiten zur Glühdrahtprüfung auf:
  1. Materialprüfung des eingesetzten Kunststoffes. (850°C; 775°C)
  2. Prüfung direkt am Relais. (750°C)
  3. Relais in Kombination mit dem Gerät. (750°C+ V-0/V-1oder Nadel- flammprüfung)



zu 1. Die Materialprüfung wird entweder vom Kunststoffhersteller oder vom Relaishersteller beantragt. Die bevorzugte Dicke der Materialprüfung ist 0,75mm-1,5mm-3mm. Eine Prüfung mit der original Dicke des Relaiskunststoffes ist ebenfalls möglich.

Vorteil dieser Variante ist, dass nur eine einmalige Prüfung erforderlich ist. Alle Relais die diesen geprüften Kunststoff einsetzen, haben damit den Nachweis der Glühdrahtprüfung erbracht. Dies ist auch die wirtschaftlichste Variante, da keine weiteren Kosten für zusätzliche Prüfungen anfallen.

zu 2. Die Prüfung am Relais wird durch den Relaishersteller beantragt.
Die Anforderungen für diese Prüfungen sind sehr hoch. Daher wird in den meisten Fällen ein Sonderkunststoff eingesetzt. Bei Omron erkennen Sie diese Relaistypen an dem Zusatz –HA(Home Appliance), zum Beispiel G2RL-1A-E-HA 12VDC. (Bild 2)
Jede Relaisserie mit dieser Glühdrahtprüfung am Relais, muss der Prüfstelle vorgestellt werden. Durch die Sonderkunststoffe und den zusätzlichen Prüfkosten verteuert sich der Relaispreis. Vorteil für den Kunden ist eine schnelle Geräteabnahme durch die Geräteprüfstelle und diverse Konstruktionsfreiheiten im Gerät.

zu 3. Die kombinierte Prüfung des Relais mit dem zu prüfenden Gerät wird durch den Gerätehersteller beim Prüfinstitut beantragt.
Die Prüfstelle ergänzt die Glühdrahtprüfung mit einer zusätzlichen Nadelflammprüfung am Relais innerhalb des Gerätes.
Dabei wird die Brennbarkeit der umliegenden Komponenten und nichtmetallischen Abdeckungen im Umkreis von 20 mm und einer Höhe von 50 mm geprüft.

Bild 3

Diese Prüfung ist nicht erforderlich wenn die umliegenden Teile aus einem Material der Brennbarkeitsklasse V-0 oder V-1 bestehen.

Kunden können bei der Gerätekonstruktion schon darauf achten, die zylindrischen Abstände (20*50 mm) zum Relaiskontakt einzuhalten und/ oder metallische Abschirmungen in die Konstruktion mit vorzusehen. Das erleichtert die Sicherheitsprüfung des Gerätes und ermöglicht Standardrelais einzusetzen.

Die vereinfachte Darstellungsübersicht (Bild 3) lässt die möglichen Glühdrahtprüfungen (Rute 1, 2, 3) nach EN60335-1 (Edition 4) für unbeaufsichtigte Geräte mit Strombelastungen >0,2A erkennen. Sie soll als Hilfe für Anwender dienen.

Die jeweilige detailierte Durchführung der Prüfungen wird in den erwähnten Normen beschrieben.
  1. IEC 60695-2-11: GWT (Glow Wire Test bei 750°C)
  2. IEC 60695-2-12: GWFI (Glow Wire Flamability Index bei 850°C)
  3. IEC 60695-2-13: GWIT (Glow Wire Ignition Test bei 775°C)

Jürgen Schönauer, Omron Electronic Components B. V.


©2010 Forum Innovation der
Deutschen Schaltrelais-Hersteller im ZVEI
Update 01/11/2010