Kein Artikel über Normierung kann auf
eine kurze Definition des ”Zentralbegriffs”
verzichten – auch dieser nicht.

Im folgenden stellen wir Ihnen eine neue Normierung der Schutzarten für Relais vor.

Als Schutzart versteht man dabei die Kapselung
oder Versiegelung des Relais vor Umweltkontakt.

Die Qualitätsstufen der Schutzart für Relais reichen dabei weit über den Schutz vor Staub und/oder Wasser hinaus. Sie betreffen auch aggressive Medien wie Fluss- und Reinigungsmittel, die – z.B. während der Verarbeitung – auf die Funktionsfähigkeit einwirken könnten.

Bei Gerätegehäusen und Schaltschränken etc. gilt der so genannte IP-Code, wie er in IEC60529 bzw. DIN EN60529 (VDE 0470, Teil-1) beschrieben ist. Für Relais hat man sich in grauer Vorzeit – quasi in Ermangelung eigener Festlegungen – auch dieser IP-Codes, z.B. IP67 bedient, um die Qualität der Kapselung einheitlich festzulegen.

Das Bessere ist stets der Feind des Guten.
Dies bedeutet für die Schutzart-Beschreibung bei Relais, dass es seit einigen Jahren eine, zwar von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, neue Normierung gibt – mit der Kurzbezeichnung RTxx. Diese Normierung ist in der EN 116000-3 (Elektromechanische Schaltrelais, Teil 3: Mess- und Prüfverfahren) bzw. in IEC 61810-7, Abschnitt 2.2 zu finden.


In RTxx sind 6 Schutzarten aufgeführt, wobei auch spezielle Anforderungen aus der Weiterverarbeitung einbezogen sind:

  • RT 0 [Unenclosed relay]
    RT 0 bezeichnet das offene, also ungeschützte Relais.

  • RT I [Dust protection relay]
    Das staubgeschützte Relais mit einer Kapselung, die bewegliche Teile schützt.

  • RT II [Flux proof relay]
    Flussmitteldichtes Relais, geeignet für Lötbadverarbeitung, wobei Flussmittel nicht in die Kapselung eindringen kann.

  • RT III [Wash tight relay]
    Waschdichtes Relais – geeignet für Lötbadverarbeitung mit anschließendem Waschverfahren zum Entfernen von Flussmittelrückständen. Flussmittel oder Waschlösungen können dabei nicht eindringen.

    RT IV [Sealed relay]
    Dichtes Relais – das Relais ist so gekapselt, dass keine Umgebungsatmosphäre eindringen kann, mit Zeitkonstante >2x104s gem. IEC60068-2-17).

  • RT V [Hermetically sealed relay]
    RTV bezeichnet die höchste Qualitätsstufe, das hermetisch dichte Relais (Dichtigkeit mit Zeitkonstante >2x106s nach IEC 60068-2-17).

Bei einer Kapselung nach RTIII bis RTV ist sichergestellt, dass die Dichtheit auch dann erhalten bleibt, falls das Relais bei der Weiterverarbeitung aussergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt wird, z.B. kurzzeitig überhöhte Temperaturen beim Löten der Anschlüsse auf einer Leiterplatte.

Prüfverfahren für Schutzarten in Labor und Praxis.
Die Prüfung der Dichtheit (Typprüfung) bei diesen Schutzarten wird derzeit nach IEC 60068-2-17 (Umweltprüfungen, Teil 17: Allgemeine Umweltprüfungen – Dichtheit), Verfahren QC2 durchgeführt.
Der Prüfling wird dabei in eine Flüssigkeit eingetaucht, deren Temperatur 5K über der maximal zulässigen Betriebstemperatur des Relais liegt.
Mögliche Leckagen werden durch Blasenbildung nachgewiesen – durch Erwärmung entweicht aus dem Relais Gas oder Luft.

Dieses relativ umständliche Verfahren ist zwar bei einer Typprüfung durchführbar, für eine Einzelprüfung im kontinuierlichen Fertigungsfluss jedoch völlig ungeeignet.
Hier werden Prüfungen objektiver und schneller durchgeführt, indem der Innendruck (direkte Druckerhöhung im Relais) oder der Aussendruck (indirekt durch Unterdruck der Umgebung) gemessen wird. Mögliche Leckagen werden dabei durch die messbare Druckveränderung nachgewiesen.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sich der IP-Code noch für geraume Zeit als Bezeichnung der Relais-Schutzarten halten wird.
Die neue Einteilung nach RTxx hat aber für die Zukunft den großen Vorteil, dass die speziellen Anforderungen an die Dichtheit von Relais – die ja nicht geringer werden – damit wesentlich besser und eindeutiger beschrieben sind.

E. Kirsch


Im Web publiziert - 10/2001

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